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Bewahrt die Demokratie

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Besuch des Holocaust-Zeitzeugen Werner Appel an der NAOS

"Bewahrt die Demokratie", das war die Quintessenz von Werner Appel, die der mittlerweile 87-jährige Holocaust Überlebende aus Frankfurt den Schülern der Jahrgangsstufe 13 mit auf den Weg gab, "denn es gibt nichts Besseres", so Appel. In eindrucksvoller Weise und mit Bildmaterial unterstützt, erzählte er wichtige Einzelheiten aus seinem persönlichen Leben und wie er die Judenverfolgung unter den Nazis überlebte.

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Die Familie von Werner Appel erlebte den Terror der Nazis hautnah: Sein Vater wurde 1935 durch die Gestapo zu Tode geprügelt, Onkel und Tante in Auschwitz vergast. Als Halbjude ( Mutter war Katholikin ) musste er 1938 die Schule verlassen und wurde aus allen anderen gesellschaftlichen Aktivitäten ausgeschlossen, obwohl er sich als Deutscher fühlte. Nach dem Tode des Vaters musste er als 10-jähriger zusammen mit der Mutter für den Unterhalt der Familie ( 2 Schwestern ) sorgen. Er verdingte sich zunächst als Küchenhilfe bei der Köln-Düsseldorfer Rheinschifffahrtsgesellschaft; als aber auch hier seine jüdische Herkunft bekannt wurde, musste er gehen. Bei dem Schaustellerehepaar Hölzgen aus der Eifel fand er dann eine Anstellung, obwohl ihnen bekannt war, dass er Jude war. Mit ihnen reiste er durch Rheinland-Pfalz, das Saarland und bis nach Luxemburg. Der Schwiegersohn der Familie Hölzgen versorgte in dieser Zeit auch seine Mutter und seine beiden Schwestern, die sich zum Ende des Krieges in der Eifel versteckt hielten. Er selber musste sich gerade in der späten Kriegszeit natürlich auch vor den Nazis immer wieder verstecken, zuletzt sogar für längere Zeit in einem alten Holzkohleofen.

Nach dem Krieg ging er dann nach Israel, kehrte aber schon 1952 wieder nach Deutschland zurück: "Denn ich wollte lieber als Jude in Deutschland leben, als ein Deutscher in Israel zu sein". Obwohl alles vorbei schien, machte er jedoch wieder negative Erfahrungen in Deutschland: "Die gleichen Leute, die nach den Nürnberger Rassegesetzen ihn und seine Familie enteignet hatten, saßen nun in den Ämtern, die für die Entschädigung der Juden zuständig waren". Man muss Herrn Appel schon bewundern, dass er trotzdem hier in Deutschland blieb, eine Familie gründete und keinen Groll/Hass auf die Deutschen bis heute hegt.

Warum er - trotz seines hohen Alters - noch in die Schulen geht und das Gespräch mit jungen Menschen sucht, hat zwei Gründe: Einmal möchte er weitergeben, dass es neben den vielen Mitläufern und Unterstützern der Nazis auch Menschen in Deutschland gab, die sich nicht darum kümmerten, "dass es verboten war Juden zu helfen". Zum Zweiten geht es ihm darum, aufzuzeigen, "dass es in unseren Händen liegt die Demokratie zu bewahren". "Obwohl sie die schwierigste Staatsform ist, ist sie aber die einzige und beste", so Appel. Wir danken Herrn Appel für seinen bewegenden Vortrag und wünschen ihm noch ein langes, gesundes Leben mit noch zahlreichen Besuchen an Schulen.