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Türkei und EU begegnen sich auf Augenhöhe

Planspiel TĂźrkei

38 Schülerinnen und Schüler der Nicolaus-August-Otto Schule BBS Diez legten in einem Planspiel die Schritte zu einem möglichen EU-Beitritt der Türkei fest

Der Türkeibeitritt zur Europäischen Union ist ein kontroverses Thema! Zu dieser Erkenntnis kamen 38 Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 12 der Nicolaus-August-Otto Schule Diez. Sie nahmen am 16. und 17. April 2015 an einem Planspiel zur Erweiterung der Europäischen Union teil und schlüpften dabei für zwei Tage in die Rolle eines politischen Entscheidungsträgers.

Möglich gemacht wurde das Planspiel durch die Friedrich-Ebert-Stiftung in Mainz, die die Planspielreihe "Die Türkei - der überflüssige oder überfällige Beitrittskandidat?" erstmals im Raum Rheinland-Pfalz durchführte.

An diesem Tag konnten die Schülerinnen und Schüler in ganz verschiedene Rollen schlüpfen. Als Mitglied der Europäischen Kommission, Abgeordneter des türkischen Parlaments, Regierungsmitglied eines Mitgliedslandes im Allgemeinen Rat oder auch in der Rolle eines Interessenvertreters diskutierten sie verschiedene Standpunkte zum Thema "Passt die Türkei in die EU"? Am Ende des Tages sollte dabei eine gemeinsame Roadmap mit konkreten Maßnahmen entstehen. Leichter gesagt, als getan. Getreu dem Spruch: "Nur wer selbst für etwas brennt, kann in anderen ein Feuer entfachen", versuchte man sich gegenseitig von seinem eigenen Standpunkt zu überzeugen. David Milz erzählt dazu: "Durch das Planspiel wurde mir erst klar, vor welche Probleme Politiker gestellt werden, wenn es darum geht eine Entscheidung zu treffen. Die vielen Meinungen und Interessen auf einen Nenner zu bringen, ist eine wirklich schwere und anspruchsvolle Aufgabe."

Die beiden Tage waren gefüllt mit hitzigen Diskussionen und Debatten. Die verschiedenen Argumente wurden - wie auch im echten Leben - im Plenum ausgetauscht und abgewogen. Neben der Ausarbeitung der gemeinsamen Position waren die intensive Debatte über den Vorschlag und das Erstellen von konkreten Bedingungen in den Beitrittsverhandlungen die zentralen Lernfelder des Planspieles. Als Highlight stand am Ende eine finale Abstimmung über die Annahme der erarbeite-ten Roadmap.

Besonderes Lob gebührte an diesen Tagen den Vorsitzenden und Vizevorsitzenden der Europäischen Institutionen und des türkischen Parlaments. Sie hatten die Aufgabe, die Debatten anzuleiten und die verschiedenen Interessen in Einklang zu bringen. "Ich fand es herausfordernd, sowohl die Meinung von Deutschland in die Diskussion einzubringen und dann noch die Abstimmungen und Debatten zu leiten. Nach einer Eingewöhnungszeit habe ich mich aber schnell an meine Doppelrolle gewöhnt", so Shari Staller, die dem Allgemeinen Rat als Zweite Vorsitzende vorstand.

Der Leiter des Regionalbüros der Friedrich-Ebert-Stiftung in Mainz, Dr. Martin Gräfe, freute sich, dass "die Schülerinnen und Schüler durch die Teilnahme an den Planspielen die Gelegenheit wahrgenommen haben, die Beitrittsverhandlungen der Europäischen Union auf eine so spannende Weise kennenzulernen. Durch das Planspiel wird ein komplexes Thema für alle Teilnehmenden direkt erfahrbar, aber auch das Politik machen selbst wird verständlich."

Und wie ging's aus? An den beiden Tagen gelang es den Schülern nicht, sich auf umfassende Kriterien zu einigen, die den sofortigen Beitritt der Türkei in das europäische Bündnis ermöglichen, da viele Punkte bis zuletzt zwischen den europäischen Entscheidungsträgern und den türkischen Parlamentariern hart umstritten blieben. Einigkeit herrschte aber darüber, dass Europa und die Türkei eng zusammenarbeiten müssen, um die angespannte Menschenrechtssituation in der Türkei zu lösen und den möglichen Beitritt der Türkei in die EU zu erleichtern.

Das Planspiel half den Schülerinnen und Schülern beim Verständnis politischer Diskussionen und Prozesse, wie Marek Barchewitz schildert: "Ich konnte mich zunächst überhaupt nicht mit der mir zugewiesenen Rolle identifizieren. Allerdings hat das Planspiel geholfen, die Thematik einmal aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten und ich konnte für mich viele neue und spannende Informationen rund um den Erweiterungsprozess sammeln."